Wolfgang Köhler Redaktionsbüro
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Die nächste Blase kommt bestimmt

Die Unsicherheit nimmt wieder zu – auch über die weiteren Entwicklungen im Boom-Land China

01.12.2009 Der Dubai-Schock der vergangenen Woche hat einmal mehr verdeutlicht, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise noch keineswegs überwunden ist. Wieder hat sich gezeigt, dass leichtfertige Investoren sich von den positiven Vor-Krisen-Trends in eine Euphorie gesteigert und wesentliche Risiken außer Acht gelassen haben. Nun ist auch im Glitzer-Emirat am Golf die Immobilienblase geplatzt – mit vielen bekannten Folgen. Und es ist noch nicht ausgemacht, ob da nicht noch weitere Blasen platzen werden.

 

Am unangenehmsten ist vielleicht die chinesische. In dem großen Land sind innerhalb der letzten zwei bis drei Jahrzehnte Hunderte Millionen Menschen vom Land in die Städte gezogen – sicherlich die größte Völkerwanderung der Geschichte. Viele von ihnen haben dort ihren Anteil am wachsenden Wohlstand des Landes gefunden.

 

Dieser gründet allerdings auf einem unsicheren Fundament: der festen Bindung der chinesischen Währung an die amerikanische. Die halbe Welt klagt seit Jahren über den niedrigen Wechselkurs des Renmimbi. Für die Regierung in Peking allerdings ist dieser die wichtigste Versicherung für eine Fortsetzung des Wirtschaftswachstums. Man könnte den Wechselkurs auch als eine Subvention der Exportindustrien Chinas ansehen.

 

Seit dem Einbruch des Welthandels Ende 2008 zeichnen sich allerdings immer deutlicher Überkapazitäten in der chinesischen Exportindustrie ab. Tausende Fabriken mussten bereits ihre Tore schließen. Dennoch wird im Lande weiter investiert. China verwendet 44 Prozent seines Volkseinkommens in Investitionen. Die Inlandsnachfrage hält aber nicht Schritt mit dem Ausbau der Produktionskapazitäten. Das ganze Geschäftsmodell des Landes ist auf Export ausgerichtet.

 

Hauptabnehmer chinesischer Exporte waren in den vergangenen Jahren die amerikanischen Verbraucher. Doch die sind bei steigenden Immobilienpreisen in die Schuldenfalle getappt und müssen sich nun, da die US-Immobilienblase geplatzt ist, erst einmal einschränken. Wie sollen sich da die riesigen Investitionen Chinas jemals auszahlen?

 

Die Regierung in Peking hat sich in der schwierigen Lage damit beholfen, riesige Infrastrukturinvestitionen anzustoßen, die aus dem Konjunkturprogramm im Volumen von 460 Milliarden Euro finanziert werden. Doch die dadurch ausgelösten Nachfrageschübe ersetzen den Wegfall der Exportnachfrage nicht, auf die die private Industrie setzt.

 

In den USA und in den meisten anderen Industrieländern ist es bislang auch der Staat mit seinen zusätzlichen Ausgaben im Rahmen von Konjunkturprogrammen, der die Verbraucher einigermaßen bei Laune hält und damit auch die Nachfrage nach Produkten „Made in China“ stützt. Die dabei entstehenden Staatsdefizite werden, ganz besonders das in den USA, sogar zum größten Teil von Exportüberschussländern wie China finanziert.

 

Der Optimismus in China ist nach der langen Zeit außergewöhnlich hoher Wachstumsraten sicherlich groß, dass das Land auch die Herausforderungen der Zukunft meistern wird. Die Geschichte der hoch entwickelten Industrieländer zeigt aber auch, dass es keinem dieser Länder gelungen ist, die Umbrüche der Industrialisierung ohne Krisen zu überstehen.

 

Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise beschert dem bevölkerungsreichsten Land der Erde gerade einen solchen Umbruch. Mag sein, dass sich China als Ausnahme erweist und die Turbulenzen weitgehend unbeschadet übersteht, was auch gut für die Weltwirtschaft wäre. Andererseits kann es auch nicht schaden, die Entwicklungen des Landes sehr aufmerksam zu beobachten und auf neue Turbulenzen in dieser Krise vorbereitet zu sein.