Wolfgang Köhler Redaktionsbüro
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Urlaub gegen die Krise

Ferien in finanzklammen Ländern sollte in diesem Jahr zur staatsbürgerlichen Pflicht erhoben werden

04.05.2010 Wo verbringen Sie eigentlich die schönsten Wochen des Jahres? Im Urlaub will man ja abschalten, sich von den Sorgen des Alltags erholen, einfach mal die sprichwörtliche Seele baumeln lassen. Aber geht das in diesem Jahr in Spanien, Italien, Griechenland, Portugal?

 

Natürlich geht das, wenn man die Augen geschlossen hält, keine Zeitung liest und dem Fernsehbildschirm die Stromzufuhr verweigert. Oder wenn man in eine so entlegene Gegend fährt, wo nicht einmal die größten deutschen Boulevard-Zeitungen hingeliefert werden. Ansonsten aber reist die Krise mit, auch zu typischen Zielen von Individualreisenden wie etwa in die französische Provinz oder in  die stillen Buchten Irlands. Man kann der Krise auch im Urlaub nicht mehr entkommen.

 

Aus der Wirtschaft mögen derzeit beruhigende Nachrichten kommen. Hier und da wird wieder über Wachstum berichtet und steigende Gewinne. Dieses Wachstum aber beruht im Wesentlichen auf staatlichen Stützungs- und Konjunkturprogrammen. Die haben die Regierungen viel Geld gekostet. So viel, dass diese jetzt überall in einem Maße verschuldet sind, dass einem Angst und bange werden kann.

 

In den nördlichen Anrainerstaaten des Mittelmeeres, in unseren bevorzugten Urlaubsregionen, wird dieses Spiel schon lange gespielt. Die Länder leben schon länger auf Pump. Sie haben sich das Geld, mit dem sie ihre Bürger bei Laune gehalten haben, an den Finanzmärkten geliehen. Jetzt verweigern die Geldgeber den ersten Regierungen weiteren Kredit. Griechenland ist möglicherweise, oder sogar wahrscheinlich, erst der Anfang. Jetzt müssen diejenigen helfen, die noch kreditwürdig sind.

 

Zum Beispiel deutsche Urlauber. Deutschland ist ja mal wieder Meister – diesmal Meister im vermeiden von Arbeitslosigkeit. Die Deutschen haben trotz Krise Job und Einkommen behalten und können deshalb auch in diesem Jahr wieder Urlaub machen. Ein wenig kürzer vielleicht als in früheren Jahren, vielleicht auch ein bisschen sparsamer. Aber immerhin fließen von jedem Euro, den Urlauber am Ferienort ausgeben, etliche Cents in die Kassen der klammen Regierungen.

 

Da möchte es doch fast als staatsbürgerliche Pflicht erscheinen, in hochverschuldeten Ländern Urlaub zu machen. Jeder Cent, der aus Urlauberkassen in Regierungstresoren am Ferienort landet, entlastet den deutschen Bundeshaushalt. Denn wenn die Bürger ihr Geld nicht in Griechenland oder Spanien ausgeben, muss womöglich wieder die KfW mit Krediten aushelfen, für die der deutsche Steuerzahler bürgen muss, letztlich also wieder der Urlauber – nur hätte er in diesem Fall allein die finanzielle Last zu tragen, ohne das Urlaubserlebnis.

 

Auch das Hilfsangebot der Europäischen Zentralbank (EZB) bietet keine wirkliche Alternative. Die EZB will Banken künftig Kredite gegen Hinterlegung von Staatsanleihen ohne Rücksicht auf deren Bonität einräumen. Sie will selbst Griechenland-Bonds als Pfand akzeptieren. Indem sie ihre Kreditgewährung auf diese Weise ausweitet, pumpt sie zusätzliches Geld in den Wirtschaftskreislauf, das womöglich später zu schneller steigenden Preisen führt.

 

Sollte diese EZB-Hilfe notwendig sein, weil deutsche Urlauber in diesem Jahr lieber im Sauerland oder auf Rügen statt am Mittelmeer entspannen, dann fallen womöglich künftige Urlaube im südlichen Ausland wesentlich teurer aus. Kurzum: Wer jetzt am falschen Ende spart, der wird später zur Kasse gebeten.

 

Also lassen wir uns nicht von Berichten über Streiks in Athen ins Bockshorn jagen. Auf Mykonos oder Mallorca, in Faro und Benidorm werden uns die Wirte trotzdem gastfreundlich empfangen. Urlaub in der Krise wird damit zum Urlaub gegen die Krise.