Wolfgang Köhler Redaktionsbüro
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Die globale Krisenlösung gibt es nicht

Jetzt treten die unterschiedlichen Interessen einzelner Länder und von Regierungen und Wirtschaft wieder deutlicher hervor

02.02.2010 Am letzten Tag in Davos wurde noch einmal die Formel dieser Krise beschworen: „Eine globale Krise erfordert eine globale Antwort,“ sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn beim Weltwirtschaftsforum. „Wir brauchen echte Kooperation, keine nationalen Alleingänge.“ Danach reisten die Unternehmer und Notenbanker, Politiker und Manager wieder zurück zu ihren nationalen oder unternehmerischen Sorgen, für die jeder eine eigene Lösung sucht.

 

Die jeweiligen Probleme sind, je nach Land und Unternehmen, ziemlich unterschiedlich. Entsprechend unterschiedlich werden wohl auch die Lösungen sein.

 

Nehmen wir als Beispiel Amerika und China. In den USA sind die Verbraucher überschuldet, viele haben ihren Arbeitsplatz verloren. Das Land konsumiert immer noch zu viel, müsste aber stattdessen mehr exportieren. Ein schwacher Dollar könnte dabei helfen.

 

Dem widersetzt sich China, das seine Währung an den Dollar gekoppelt hat, um den eigenen Export – vorwiegend in die USA – zu fördern. Bricht der Export weg, dann sind auch hier Millionen von Arbeitsplätzen in Gefahr. Sowohl als Exportland als auch als größter Gläubiger der USA muss China an einem starken Dollar interessiert sein.

 

Nehmen wir als weiteres Beispiel Europa und die USA. Um ihre Banken zu bändigen, hat der Präsident ein altes Konzept ausgegraben: Die Trennung von Kreditbanken und Wertpapier- bzw. Investmentbanken. Die Europäer haben sich erst vor der Jahrtausendwende dazu durchgerungen, gemeinsam das kontinentaleuropäische Universalbankensystem anzuwenden. Selbst die Briten, die traditionell das Trennbannkensystem praktizierten, haben da mitgezogen. Es ist nur schwer vorstellbar, dass die EU dem Konzept von Barack Obama folgen wird. Wettbewerbsquerelen wären die Folge.

 

Die Unternehmen müssen in der Krise erstens Kosten sparen. Das bedeutet im Zweifel Personalabbau. In Deutschland ist dies wegen der Kurzarbeit nur aufgeschoben. Sie müssen zweitens in neue Märkte und neue Produkte investieren. Das fällt schwer, solange die oben genannten volkswirtschaftlichen Verwerfungen nicht beseitigt sind. Das fällt auch schwer, solange die Banken das Geld der Zentralbanken lieber für Spekulationen statt für neue Kredite verwenden.

 

Den deutschen Unternehmen fällt es besonders schwer, weil sie Europa mit ihren Waren und Dienstleistungen bereits überschwemmt und damit ernste Spannungen im gemeinsamen Währungsraum heraufbeschworen haben. Den Amerikanern müssten sie das Geld, mit dem diese ihre Importe aus Deutschland finanzieren könnten, erst einmal vorstrecken. Da spielen im Zweifel die Banken nicht so mit, weil sie lieber spekulieren. Bleiben China, Indien und die anderen aufstrebenden Schwellenländer als Zukunftsmärkte. Doch die tun sich mit Investitionen in deutsche Maschinen schwer, solange sie ihrer wichtigsten Exportmärkte, vor allem in den USA, nicht so recht sicher sind.

 

In der unmittelbaren, in der akuten Krisenbekämpfung vor 15 Monaten waren die Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen Länder groß. Es ging darum, gemeinsam den Kollaps des Finanzsystems abzuwenden. Diese Phase ist längst vorbei. Jede Volkswirtschaft hat ihre Eigenheiten und die jeweiligen Interessen laufen einander oft zuwider. Hinzu kommt in der gegenwärtigen Phase, dass Regierung und Teile der Wirtschaft, insbesondere die Banken derzeit nicht nur nicht an einem Strang ziehen. Beim Bemühen um die Finanzmarktregulierung stehen sie sich vielmehr als Gegner gegenüber. Wo IWF-Chef Strauss-Kahn da eine Basis für globale Lösungen sieht, wird er wohl als Geheimnis mit nach Washington nehmen.