Wolfgang Köhler Redaktionsbüro
Wolfgang Köhler Redaktionsbüro

Das Karusell der Kredit-Junkies

Kredit kann sinnvoll sein und den Wohlstand steigern - so wird er aber nicht immer vergeben

20.7.2009 Die aktuelle Wirtschaftskrise ist immer wieder für Überraschungen gut. Wie oft haben wir es nun schon erlebt, dass vermeintliche Riesen sich als Zwerge entpuppen? Schaeffler, Porsche, Schickedanz bzw. Arcandor, Commerzbank, HRE...

 

Ihnen allen gemeinsam war, dass sie kreditwürdig waren. Sie bekamen Kredit, so viel sie wollten. Da hielt man sich nicht lange mit Millionenbeträgen auf. Es ging zu wie beim Fleischer: Darf’s ein bisschen mehr sein? Es wurden Milliarden über die blank polierten Tische in den Vorstandsetagen geschoben.

 

Kredit ist üblicherweise ein nützliches Instrument. Wer eine gute Geschäftsidee hat und davon auch einen potenziellen Geldgeber überzeugen kann, dem wird geliehen, auf dass er das Geld investiere und etwas produziere, was er verkaufen kann. Im Verlauf dieses Prozesses verdienen, wenn alles gut geht, viele Menschen mit: der Unternehmer, seine Mitarbeiter, die Bank. So kann mit Hilfe vieler guter Geschäftsideen und vieler Kredite der Wohlstand im Lande wachsen.

 

Seit den 1980er Jahren sind ganz andere Kredite immer mehr in Mode gekommen: Kredite, mit denen ein Unternehmen ein anderes kauft. Aus der Sicht eines Unternehmens, das ein anderes kauft, kann dies durchaus als sinnvoll erscheinen: Man kauft sich damit zusätzliche Kunden oder Absatzmärkte ein, diversifiziert in andere Branchen oder man kann größere Mengen günstiger produzieren und erzielt damit Kostenvorteile. Auch hierbei gibt es also viel Geld zu verdienen, das sich die kreditgebenden Banken und das kreditnehmende Unternehmen teilen. Allerdings wird dabei nichts zusätzlich produziert, und oft zahlen die Mitarbeiter der betroffenen Unternehmen drauf, denn zumeist werden bei Fusionen und Übernahmen Arbeitsplätze abgebaut. Ein Zuwachs an volkswirtschaftlichem Wohlstand wird mit solchen Krediten also nicht erzeugt. Trotzdem wurden solche Kredite zig-tausendfach vergeben.

 

Aus volkswirtschaftlicher Perspektive stellte sich immer schon die Frage, wie lange das gut gehen kann, dass immer mehr Kredite vergeben werden, ohne dass auch nur eine zusätzliche Stecknadel produziert wird. Kein zusätzlicher Umsatz erwirtschaftet, kein zusätzlicher Lohn gezahlt wird. Die Banker haben das wohl bemerkt, denn sie haben diese Kredite nicht behalten, sondern an den meistbietenden Käufer verscherbelt. Genau wie bei den US-Hypothekendarlehen, die zig-mal gebündelt und in Paketen weiterkauft wurden.

 

Nun ist an einer Stelle dieses Kreditkarussells die Blase geplatzt. Manches Unternehmen ist nun schon noch kreditwürdig, aber die Banken nicht mehr. Sie bekommen selbst keinen Kredit mehr, den sie an die Wirtschaft weiterleiten könnten – es sei denn, von der Zentralbank. Zugleich haben aber auch viele Unternehmen an Kreditwürdigkeit verloren, weil ihre Gewinne geschrumpft sind oder sich in Verluste verkehrt haben.

 

Die Kreditklemme kommt also gleich von mehreren Seiten auf uns zu. Es steht sogar so schlimm, dass nun die Bundesregierung überlegt, den Banken, die in faulen Krediten zu ertrinken drohen, zwangsweise neues Eigenkapital zur Verfügung zu stellen, damit sie wieder mehr Kredite vergeben. Das würde allerdings nur Sinn machen, wenn das Geld aus diesen Krediten investiert und damit zusätzliche Güter und Dienstleistungen wohlstandssteigernd produziert werden. Kredite zur Übernahme anderer Firmen gehören nicht dazu.

 

Wie abhängig die Wirtschaft – und unser Wohlstand – inzwischen von Krediten ist, zeigt sich hier: Das Geld, das die Bundesregierung den Banken zwangsweise zur Verfügung stellen will, muss sie sich selbst pumpen. Von den Wohlhabenden natürlich. Zurückzahlen muss dies später der Steuerzahler. Oder der Bankkunde.