Wolfgang Köhler Redaktionsbüro
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Geschäftsklima ist nicht gleich Aktienklima

Der Anstieg des Ifo-Index ist keine gute Versicherung gegen künftige Aktienkursverluste

Düsseldorf, 22.6.2009 Zum dritten Mal in Folge hat sich der viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex verbessert. Die Erwartungen der Unternehmer signalisieren bessere Geschäfte in der Zukunft. Gemeinhin gilt der Ifo-Index als Wendemarke für die Konjunktur, wenn er sich – wie jetzt – dreimal hintereinander verbessert hat. Demnach wäre es für die Anleger an der Zeit, ihre Aktien-Abstinenz aufzugeben und das Spiel um Gewinn oder Verlust erneut aufzunehmen, oder?

 

Nimmt man vergleichbare Situationen der Vergangenheit zum Maßstab, dann könnten Aktienkäufer derzeit in eine unangenehme Falle tappen. Auch vor gut sieben Jahren, um die Jahreswende 2001/02, signalisierte der Ifo-Index nach dem Aktiencrash von 2000 und den Attentaten vom 11. September eine Trendwende. Die Aktienmärkte hatten seit ihrem Tiefpunkt im September 2001 einen bemerkenswerten Kursspurt hingelegt. Der Dax stieg damals von etwa 3800 auf 5300 Punkte. Der Tiefste Absturz stand dem Börsenbarometer damals aber noch bevor. Seinen Tiefpunkt erreichte der Dax erst im März 2003 bei rund 2200 Punkten. Bis dahin knickte auch der Ifo-Index noch mal ein.

 

Obendrein ist ja immer wieder die Rede davon, dass die aktuelle Wirtschaftskrise sich von gewöhnlichen Konjunkturkrisen der vergangenen Jahrzehnten unterscheidet. Erstmals sind alle großen Industrieländer gleichzeitig in eine Flaute geraten. Die gewaltige Kreditexplosion, die in der Vergangenheit die Konjunktur immer wieder neu beflügelt hat, ist an Grenzen gestoßen und manche Beobachter meinen, dass ihr jetzt eine Kreditimplosion, also ein Abbau von Fremdkapital in der Wirtschaft folgen werde. Da erscheint es fast ausgeschlossen, dass die Weltwirtschaft schnell wieder zu der Dynamik der vergangenen Jahre zurückkehren könne. Obendrein ist von einer Verschiebung der ökonomischen (und politischen) Machtschwerpunkte die Rede, deren Folgen noch kaum abschätzbar sind.

Gibt es bald eine neue Weltwährungsordnung? Folgt auf den aktuellen Konjunktureinbruch und die explodierende Staatsverschuldung nun die große Inflation? Werden die protektionistischen Tendenzen noch weiter zunehmen? China hat da mit seiner Bevorzugung heimischer Unternehmen im Rahmen seines Konjunkturprogramms gerade wieder ein unrühmliches Beispiel gegeben. Noch immer gibt es in der Tat mehr Fragen als Antworten.

 

Tatsächlich beruht der jüngste Anstieg des Ifo-Index allein auf gestiegenen Erwartungen der befragten Unternehmer. Die aktuelle Lage dagegen stufen sie so schlecht ein wie noch nie in den vergangenen Jahren. Und etliche Negativ-Nachrichten stehen ja noch bevor: Die Pleitewelle ist gerade erst angerollt; die Arbeitslosenzahlen werden in den kommenden Monaten noch kräftig steigen; und über die Bewältigung des Problems der gewaltigen Staatsschulden wird ohnehin erst nach der kommenden Bundestagswahl nachgedacht.

 

Insofern ist es noch viel zu früh, um über einen Wiedereinstieg in den Aktienmarkt nachzudenken. Viele Unternehmen werden ja auch erst in der Zukunft so richtig von der Krise erfasst werden. Haben wir nicht bis in den Herbst 2008 immer wieder gehört, die Auftragsbücher vieler Unternehmen seien noch gut gefüllt? Demnach wird sich die Flaute bei den Aufträgen vielerorts erst mit Verzögerungen in den Bilanzen niederschlagen. Da wird sich noch manche Unternehmensbilanz tiefrot einfärben und die Anteilseigner schockieren.

 

Bei Festgeld und Staatsanleihen mögen die aktuellen Renditen zwar nicht viel Investitionslust wecken. Bedenkt man aber, dass die Inflationsrate im Euroraum gegenwärtig bei Null liegt, dann sind deren Realrenditen gar nicht so schlecht.

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