Wolfgang Köhler Redaktionsbüro
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Beginnt die Flucht aus dem Euro?

Die Entwicklung der Euro-Wechselkurse und die Lage in Griechenland und Spanien verheißen nichts Gutes

23.07.2012 Es läuft derzeit nicht gut für den Euro. Auch vor einem Jahr war schon Krise. Doch da hatten noch viele Investoren großes Vertrauen in die Fähigkeit der Europäer, die Probleme in Irland und Portugal, Griechenland und Spanien zu beherrschen. Damals stand der Euro noch bei 1,45 US-Dollar, bzw. 0,90 Pfund Sterling und 113 japanischen Yen.

 

In den vergangenen zwölf Monaten ist dieses Vertrauen mehr und mehr geschwunden. Man kann dies an den Wechselkursen ablesen: Bis gestern Vormittag ist der Euro auf 1,209 US-Dollar bzw. 0,777 Pfund und 94 Yen gesunken. Sollten Europas Krisenmanager die Sache noch einmal in den Griff bekommen, dann wird dieser Rückgang der Wechselkurse eine Episode der Geschichte bleiben – wie der Euro-Absturz der Jahre 2000/01 auf unter 0,85 US-Dollar.

 

Doch danach sieht es dieser Tage nicht aus. Eine Staatspleite Griechenlands wird immer wahrscheinlicher, weil das Land während zweier Wahlkämpfe paralysiert war und die Sanierung der Staatsfinanzen monatelang stockte. Nun weigern sich Presseberichten zufolge der Internationale Währungsfonds (IWF) und die deutsche Bundesregierung das Land weiter zu stützen. Griechenland brauche für seine Reformen mehr Zeit, so heißt es. Für geborgte Zeit aber müssen mehr Kredite her. Doch die will offenbar niemand mehr geben.

 

In Spanien sieht es nicht viel besser aus. Dort brauchen vor allem Banken frisches Kapital. Das Geld dafür, so haben die EU-Finanzminister und die nationalen Parlamente beschlossen, sollen sie auch haben, damit der spanische Staat dafür nicht allein aufkommen muss. Seine Kreditwürdigkeit würde darunter leiden. Doch nun zeigt sich, daß der gar nicht so hoch verschuldete spanische Staat maroder ist als geglaubt. Den Regionalprovinzen Valencia und Murcia geht das Geld aus, sie müssen Madrid um Hilfe bitten.

 

Unter diesen Begleiterscheinungen muss man den Rückgang der Euro-Wechselkurse womöglich so interpretieren: Die Flucht aus dem Euro hat begonnen.

 

Dabei muss man sich vor Augen führen, daß es wohl nicht die griechischen oder portugiesischen, irischen oder spanischen Sparer sind, die Ihre Ersparnisse außerhalb der Euro-Zone retten wollen. Eher scheint das Gegenteil der Fall zu sein: Sie sehen – oder sahen bisher – in der EU und im Euro ihre größte Chance, um den Unbilden der Krise mit einigermaßen heiler Haut zu entkommen.

 

Wahrscheinlicher ist, daß es die großen internationalen Investoren sind, die Stück für Stück ihr Engagement in der Euro-Zone zurückfahren: Investmentfonds, Hedgefonds, Pensionsfonds, Banken und Versicherungen. Obendrein sind da natürlich auch private und institutionelle Spekulanten am Werk, die mit Milliardeneinsätzen jonglieren und gegen den Euro wetten.

 

Hierzulande könnte man versucht sein, sich darüber mit dem Argument hinwegzutrösten: Deutschlands Wirtschaft war bisher schon international höchst wettbewerbsfähig; der niedrige Euro-Wechselkurs verstärkt diese Wettbewerbsfähigkeit nur noch, weil er deutsche Exporte in Länder außerhalb der Euro-Zone billiger macht.

 

Der Haken an der Sache ist jedoch, daß bei sinkendem Euro-Wechselkurs die Fliehkräfte aus dem Euro auch manches Euro-Mitgliedsland erfassen und die Gemeinschaftswährung damit sprengen könnten.

 

Eine Rückkehr zu nationalen Währungen in Europa würde aller Voraussicht nach mit einer massiven Aufwertung der deutschen Währung einhergehen. Die Vorteile, die die deutsche Wirtschaft in der Währungsunion genießt, wären dadurch mit einem Schlag weg.