Wolfgang Köhler Redaktionsbüro
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Dumm wie 100 Meter Landstrasse

Philosophie und Handlungsweise vieler Banker sind verfassungswidrig

27.11.2009 Der Schock des Schuldenmoratoriums des Emirats Dubai verdeutlicht erneut: Es läuft in der Finanzwelt alles wie gehabt. Viele Investoren gehen Risiken ein, die sie nicht kennen, nicht verstehen, aber auch nicht recherchieren und analysieren. Die Rating-Agenturen vergeben bedenkenlos Gütesiegel, auf die die Anleger vertrauen. Ganz typisch dafür: Erst nachdem Dubai die Welt von seinen Zahlungsschwierigkeiten informiert hatte, senkten die Rating-Agenturen ihre Beurteilungen.

 

Da fragt man sich als unbeteiligter Beobachter: Wozu sind die Rating-Agenturen eigentlich gut, wenn sie ihre Bonitätsurteile aufgrund von Informationen und Daten fällen, die jedermann in jeder Tageszeitung nachlesen kann? Wofür lassen sich diese Blender eigentlich honorieren? Der aus Erfahrung klug gewordener Chef einer amerikanischen Provinzbank hat nach seinem Reinfall mit verbrieften Subprime-Krediten geschrieben: „Wir sind auf die harte Tour daran erinnert worden, [...] dass sich Risiken nicht außer Kraft setzen lassen und dass das Versäumnis, die Risiken von Krediten oder Investments sachlich und nüchtern zu prüfen, heute eine genauso große Dummheit ist, wie es das früher auch war.“

Man kann es auch so ausdrücken: Wer sich bei der Beurteilung der Bonität eines Schuldners auf andere verlässt, ist dumm wie 100 Meter Landstraße.

Den an alledem beteiligten Bankern ist das egal. „Solange die Musik spielt, muss man tanzen“, hat der Ex-Präsident der Citigroup Chuck Prince gesagt. Dieser kinoreife Satz spricht Bände. Es ist dies die Weisheit eines Krämers – eines Koofmichs, wie der Berliner sagt. Ganz gleich, ob sich die Welt links herum oder rechts herum dreht, ob Krieg ist oder Frieden, Krise oder Aufschwung: Banker zu sein bedeutet, ohne Rücksicht auf die Verluste anderer an allem und jedem mitzuverdienen.

Diese Haltung hat sich offenbar im gesamten Bankgewerbe weltweit breitgemacht. Zur Zeit tanzen viele Banken und andere Großinvestoren nach der Musik der Zentralbanken. Die haben, um die Konjunktur und das Finanzsystem zu retten, ihre Zinsen auf Null oder nahe Null gesenkt und der Kreditwirtschaft Hunderte von Milliarden bereitgestellt, damit sie ihre Zahlungsverpflichtungen erfüllen können.

Doch die pumpen das viele Geld nicht in die Wirtschaft, sondern zocken damit an den Aktien-, Devisen- und Rohstoffbörsen. So treiben sie die Preise für Rohöl und Weizen in die Höhe – zum Nachteil für Verbraucher und den Armen und Ärmsten dieser Welt. Von gesellschaftlicher Verantwortung keine Spur. Das ist, man muss es einmal so deutlich sagen, verfassungswidrig. Denn im deutschen Grundgesetz stehen in Artikel 14 die schönen Sätze: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“