Wolfgang Köhler Redaktionsbüro
Wolfgang Köhler Redaktionsbüro

Die nächste Dollar-Schwemme

Mit dem geplanten Ankauf von Staatsanleihen steuert die US-Notenbank einen riskanten Kurs

06.11.2010 Amerika flutet die Märkte mit frisch gedruckten Dollars. Wieder einmal. Rund 600 Milliarden Dollar will die amerikanische Notenbank in den kommenden Monaten „unters Volk“ bringen, um die Wirtschaft besser in Schwung zu bringen, als dies mit früheren Geldschwemmen in dieser Krise gelang. Doch die Aktion ist umstritten: Arbeitslose Amerikaner hoffen auf mehr Arbeitsplätze, in Europa und Asien ist man eher skeptisch.

Die Chancen, daß es diesmal gelingt, die US-Verbraucher zu mehr Konsum und die Unternehmen zu mehr Investitionen anzuregen, sind in der Tat begrenzt. Tatsächlich verteilt die Notenbank ja nicht Geldscheine an die Bevölkerung, sondern will den Banken US-Staatsanleihen abkaufen. Das frisch gedruckte Geld landet also zunächst einmal bei Banken. Die Hoffnung der Federal Reserve ist, daß die Banken nun vermehrt Kredite an Haushalte und Unternehmen vergeben, damit diese mehr konsumieren bzw. investieren können.

 

Doch viele US-Verbraucher sind arbeitslos, andere sind hoch verschuldet und bangen um ihren – zumeist schlecht entlohnten – Arbeitsplatz. Das lässt nur wenig Spielraum für die Aufnahme neuer Kredite. Wenn aber die Verbraucher nicht mehr konsumieren, fehlt auch den Unternehmen die Motivation, mehr zu investieren.

 

Was also werden die Banken mit dem Geld, das sie von der Notenbank erhalten, tun? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, daß sie noch mehr Geld in Finanzinvestitionen stecken, in Aktien und Rohstoffen und Devisen spekulieren. Viele Beobachter befürchten, daß ein Großteil der druckfrischen Dollars auf diesem Wege auf ausländischen Konten landet. Wenn das geschieht, dürfte der Wechselkurs des Dollar unter Druck geraten.

 

Möglicherweise könnte genau das den Amerikanern helfen. Ein schwacher Dollar macht US-Unternehmen auf den Weltmärkten wettbewerbsfähiger und könnte somit den Export ankurbeln. Angesichts des hohen Außenhandelsdefizits der US-Wirtschaft plädieren zahlreiche US-Ökonomen ohnehin schon seit langem für einen schwächeren Dollar.

 

Tatsächlich ist die Verärgerung der Amerikaner über Länder mit hohen Exportüberschüssen zuletzt wieder gewachsen. Hatten die Regierungen der G-20 nicht schon vor Jahr und Tag feierlich vereinbart, die Ungleichgewichte im Welthandel, die als Ursache der Finanzkrise gelten, abzubauen? Geschehen ist in dieser Richtung wenig. China hat seine an den Dollar gekoppelte Währung ein paar winzige Schritte aufgewertet, die deutsche Bundesregierung hat die Tarifpartner ermuntert, die hiesigen Löhne stärker steigen zu lassen. Den Amerikanern ist das zu wenig. Bei der jüngsten Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) standen beide Länder, deren Exportindustrien die Konjunktur schon wieder beflügeln, nebeneinander am Pranger.

 

Die Kehrseite ist: Die großen Exportnationen haben überhaupt kein Interesse an einem schwachen Dollar. Vor allem China, das einen großen Teil seiner immensen Devisenreserven in der US-Währung angelegt hat, dürfte sich vehement gegen eine Dollar-Abwertung stemmen, weil sonst seine Investments im Dollar-Raum drastisch an Wert verlieren würden.

 

Fällt deshalb aber die Dollar-Abwertung aus, dann kann auch die US-Wirtschaft nicht recht an Schwung gewinnen. Und das frisch gedruckte Geld der Notenbank dürfte wieder dort landen, wo es schon bisher gelandet ist: In den Händen der Banken und anderer Finanzinvestoren, die damit in Aktien und Rohstoffen, Devisen und Schuldtiteln spekulieren. Arbeitsplätze werden so nicht geschaffen, und das Risiko wächst, dass erneut Spekulationsblasen entstehen.