Wolfgang Köhler Redaktionsbüro
Wolfgang Köhler Redaktionsbüro

Zu zaghaft, zu wenig, zu spät

Der Unmut über die Abwege der Banken und ihre unzureichende Regulierung hat nun auch die Wirtschaftseliten erfasst

28.08.2012 Es hat lange gedauert, doch nun ist der Unmut über Banken, die sich zu Herrschern über die Ökonomie aufgeschwungen haben, auch in der Realwirtschaft angekommen. Bei mittelständischen Unternehmern grummelt es ja schon seit einiger Zeit. Neu ist, daß nun auch Manager großer Unternehmen und sogar ganze Verbände sich zu einer „breiten Front gegen die Kasino-Mentalität formieren“ – so steht es im „Handelsblatt“.

 Schon vor einigen Wochen sorgte Nikolaus von Bomhard, Chef der Munich Re, der größten Rückversicherungsgesellschaft der Welt, und zugleich Aufsichtsratschef der Commerzbank für Aufsehen mit der Äußerung, er würde es gern sehen, wenn das Investmentbanking von dem Geschäft der Kreditbanken getrennt würde. Auch hielte er es für notwendig, Banken, die zu groß sind, um sie pleite gehen lassen zu können, zu so kleinen Einheiten zu schrumpfen oder zu zerschlagen, dass sie pleitegehen können, ohne in der Realwirtschaft allzu großen Schaden anzurichten.

 

Nun hat die Affäre um die Manipulationen der Libor- und Euribor-Zinssätze durch eine Reihe von Bankhäusern dafür gesorgt, daß bei Unternehmern wie Wolfgang Reitzle, Chef des Gase-Herstellers Linde, „der letzte Rest Vertrauen verloren gegangen“. Was, so Reitzle, könne man noch glauben, „wenn der vielleicht wichtigste Zins der Welt manipuliert wurde?“

 

Dem BDI-Präsidenten Hans-Peter Keitel passt die ganze Richtung nicht mehr, in die sich die Bankenbranche bewegt hat. Banken müssten „sich wieder mehr als Dienstleister der Realwirtschaft verstehen“, erklärte Keitel. Und Jürgen Haereus, Aufsichtsratschef der Haereus-Holding, fordert, „Banken, die Kasino spielen, müssen auch pleitegehen können“. Franz Fehrenbach schließlich, Aufsichtsratschef der Robert Bosch GmbH will mit jenen Banken keine Geschäfte mehr machen, die meinen, die Finanzierung von Boni sei Unternehmenszweck.

 

All diese Äußerungen, die das „Handelsblatt“ jüngst auf einer Doppelseite zusammengefasst hat, deuten darauf hin, dass der Unmut über das Kreditgewerbe nicht nur in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Er hat nun auch die Wirtschaftselite des Landes erfasst. Viele Unternehmer beklagen, daß bisher viel zu wenig geschehen sei, um die von den Finanzmärkten ausgehenden Gefahren für die Realwirtschaft durch schärfere Regulierung einzudämmen.

 

Das ist mehr als Rückenwind für die Bundesregierung, die gerade in vorauseilendem Gehorsam einen Gesetzentwurf zur Umsetzung einer EU-Richtlinie über Kapitalanforderungen an Banken vorgelegt hat, die in Brüssel noch verhandelt wird. Auch die großen Unternehmen und die Verbände wissen natürlich, was dort zwischen EU-Kommission, Europaparlament und den EU-Mitgliedsländern gerade ausgehandelt wird. Die jüngsten Äußerungen deuten nun eher darauf hin, daß die Unternehmer und Interessenvertreter der Wirtschaft unzufrieden mit den voraussichtlichen Ergebnissen sind: zu zaghaft, zu wenig, zu spät.

 

Inzwischen dämmert offenbar auch den Wirtschaftsführern in Deutschland, dass es sich bei der Krise, die mittlerweile schon so viele Etiketten erhalten hat, im Kern um eine Bankenkrise handelt. Bei diesen stehen zu viele Kredite in den Büchern, vor allem zu viele faule Kredite. Die Banken sind es, die immer wieder gerettet werden müssen, sei es direkt durch Finanzspritzen von der Europäischen Zentralbank, sei es indirekt durch Hilfen für notleidende Schuldner wie Irland, Portugal oder Griechenland, deren Pleite die europäischen Banken nicht überleben würden. Solche Einsichten können für die nächsten Runden der Bankenregulierung nur hilfreich sein.