Wolfgang Köhler Redaktionsbüro
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Die Kreditsuppe muss jetzt ausgelöffelt werden

Bankenkritik führt auch nicht aus der Krise – In ihren Bilanzen schlummern noch gigantische verluste

7.7.09 Banken sind derzeit ein gefundenes Fressen für Kritiker aller Art. Sie sind es, die das Desaster der Krise angerichtet haben. Und nun nehmen sie auch noch Geld von der Europäischen Zentralbank (EZB) und „zocken“ damit an den Finanzmärkten herum, statt es der Wirtschaft in Form von Krediten zur Verfügung zu stellen. Das ärgert nun auch die Politik.

 

Deren Bankenschelte führt aber auch nicht aus der Krise. Denn in der Klemme sitzen die Kreditinstitute nach wie vor.

 

Vergegenwärtigen wir uns nur einmal, was im Lauf der Krise abgelaufen ist. US-Banken haben die Hypothekenkredite gebündelt und verkauft, gern nach Europa. Als die Immobilienblase in den USA platzte, waren diese Kreditbündel plötzlich unverkäuflich. Wer solche Kredite gekauft hatte, saß nun auf ihnen fest.

 

Auf dem Höhepunkt der Bankenkrise im Herbst 2008 hieß es, diese Kreditbündel seien keinen müden Euro mehr wert. Das war natürlich Unsinn. Nur ihr Marktwert war auf Null gesunken, weil es keine Käufer dafür mehr gab. Aber viele Hausbesitzer bedienten ja noch ihre Hypotheken. Dementsprechend konnten und können die Kreditbesitzer bis heute Zins- und Tilgungseinnahmen verbuchen. Nach solchen erwarteten Einnahmen in der Zukunft bemisst sich der eigentliche, der „innere“ Wert dieser Kreditbündel.

 

Ungünstigerweise fallen aber die Grundstückspreise in den USA weiter ungebremst. Gemessen am S&P Case/Shiller-Hauspreisindex sanken die Hauspreise in den 20 größten Städten 2007 durchschnittlich um neun Prozent, 2008 um 19 Prozent und bis April 2009 um weitere acht Prozent. In Phoenix, Las Vegas und Miami haben die Immobilien schon rund die Hälfte ihres Wertes verloren.

 

Mit jedem Prozent Wertverlust der Häuser werden die Kredite, mit denen sie finanziert wurden, unsicherer. Einerseits taugen die Immobilien immer weniger als Sicherheit für die Kredite; andererseits stellen immer mehr Hausbesitzer Zins- und Tilgungszahlungen ein, wenn sie sehen, dass ihr Eigenheim viel weniger wert ist als die Restschuld, die sie noch bei der Bank abzutragen haben.

 

Schätzungen zufolge haben deutsche Banken toxische Wertpapiere im Nominalvolumen von 800 Milliarden Euro in ihren Bilanzen. Wieviel davon muss noch wertberichtigt werden? Die EZB schätzt, dass die Banken in der Eurozone allein 2009 noch 283 Milliarden Dollar an Verlusten zu erwarten haben. Beim Internationalen Währungsfonds (IWF) heißt es, die Banken der Eurozone müssten 2009 und 2010 noch 540 Milliarden Dollar abschreiben.

 

Wenn die Banken jetzt das frisch von der EZB erhaltene, zinsgünstige Geld dazu benutzen, im Handel mit Devisen, Wertpapieren und Rohstoffen zusätzliche Gewinne zu erzielen, so mindern sie damit ihre zu erwartenden Verluste. Wenn sie dabei der Wirtschaft Kredite vorenthalten, treiben sie diese nur noch tiefer in die Krise. Andererseits werden mit anschwellender Pleitewelle auch die Kredite an Unternehmen immer unsicherer.

 

Man muss gar nicht die Absicht haben, die Banken in Schutz vor ihren Kritikern nehmen zu wollen um festzustellen: Wie man es auch dreht und wendet, die in den vergangenen Jahren angerichtete, giftige, ekelhafte Kreditsuppe muss jetzt irgendwie ausgelöffelt werden. Es wird nicht ausbleiben, dass da mancher, der von dieser Suppe kosten muss, daran finanziell zugrunde geht – wenn der Staat nicht den Notarzt schickt.

 

Irgendwie wird dabei die unsägliche „Trickle-down“-Theorie von Ronald Reagan wieder zu Ehren kommen – nur in umgekehrtem Sinne: Am Ende müssen Arbeitnehmer und Sparer, Bankkunden und Steuerzahler die Zeche bezahlen.