Wolfgang Köhler Redaktionsbüro
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Informationen zur sozialen Arztpraxis Elliniko/Athen

Von Giorgos Vichas
- Kardiologe und ehrenamtlicher Arzt in der sozialen Arztpraxis in Elliniko

 

Die soziale Arztpraxis im Athener Stadtteil Elliniko wurde im Dezember 2011 mit dem Ziel eröffnet, medizinische Versorgung für diejenigen Patienten anzubieten, die ihren Arbeitsplatz und somit auch ihre Krankenversicherung verloren haben und mittellos sind. Im Zeitraum von Dezember 2011 bis August 2012 besuchten 1.200 Patienten die soziale Arztpraxis. Allein im September und Oktober 2012 waren es dann schon 1.300!

 

Abgesehen von dieser rasanten Zunahme der Patienten, die wir täglich behandeln, haben sich auch deren Bedürfnisse drastisch erhöht:
- Eltern, die wegen finanzieller Schwierigkeiten an Babymilch sparen müssen, bringen uns ihre unterernährten Babys. Es handelt sich meist um arbeitslose Eltern. Aus diesem Grund sammeln wir Säuglingsnahrung um diese Familien zu unterstützen.
- Es kommen auch viele schwangere Frauen in die soziale Arztpraxis. Davon sind viele schon im siebten Monat schwanger ohne bislang einen Frauenarzt besucht zu haben und ohne dass irgendeinen pränatalen Test gemacht zu haben (Bluttests, Ultraschall ersten oder zweiten Niveaus, etc.).
- Es kommen Krebspatienten zu uns, die schon ein ärztliches Rezept für Chemo- oder Strahlentherapie besitzen, das drei, vier oder sogar fünf Monate alt ist, die aber keine Behandlung gemacht haben, weil sie diese in keinem öffentlichen Krankenhaus erhalten.

 

Seit der Verabschiedung der Sparmemoranden - in den letzten 2,5 Jahren - muss man entweder krankenversichert sein oder aus der eigenen Tasche zahlen, damit man in einem öffentlichen Krankenhaus behandelt werden kann! Die unversicherten und mittelosen Patienten sind zum Tode verurteilt! Es kommen auch Patienten zu uns, die an schweren Krankheiten leiden und teure Untersuchungen machen müssen, wie CT- oder MRTAufnahmen, es sich aber nicht leisten können.

 

In letzter Zeit besuchen die soziale Arztpraxis in Elliniko auch Patienten, die zwar noch versichert sind, aber ihre Kostenbeteiligung an den Medikamenten nicht bezahlen können (der Eigenbetrag liegt inzwischen bei 25%) oder an Untersuchungen (Eigenbetrag 15%). Es handelt sich um Patienten mit niedrigem Einkommen oder niedriger Rente, die durch die dramatische Verringerung der Löhne und die Erhöhung der Steuern nicht in der Lage sind, für ihre Gesundheitsversorgung zu zahlen.


In den nächsten Monaten, vor allem in Folge der Annahme neuer Maßnahmen des dritten Sparmemorandums, wird nach unserer Einschätzung die humanitäre Krise in Griechenland noch dramatischere Ausmaße annehmen. Tausende Patienten werden sterben und die Anzahl derjenigen, die Hilfe von der sozialen Arztpraxis in Elliniko suchen werden, wird enorm zunehmen!


Wir hoffen mit unserem Aufruf auch außerhalb Griechenlands auf praktische Solidarität zu treffen. Wir machen in Griechenland eine sehr schwierige Zeit durch, versuchen aber gleichzeitig auf eigenen Füßen zu stehen - mit Kampfgeist, Solidarität und Würde!


Giorgos Vichas
Email: mkiellinikou@gmail.com
http://mki-ellinikou.blogspot.gr/